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Ein körper-positives Kinder(sach)buch über den Penis: Bruno will hoch hinaus

Penisse in Kinderbüchern sind ein Tabu. Ein Beispiel: In dem -positiven Bilderbuch „Überall Popos“ gibt es viele verschiedene große, kleine, mittlere, dicke, dünne, runde, faltige, dellige, hängende, pralle, stoppelige, tätowierte, glatte, dunkle, helle, behaarte und kahle Hintern, Brüste, Vulven und Bäuche zu sehen – aber keinen einzigen . Der Papa der Protagonistin verliert zwar beim Sprung ins Wasser seine Badehose, wird aber immer so abgebildet, dass man nicht sieht, was sich zwischen seinen Beinen befindet. Im schwedischen Ursprungsverlag ist ein, in Hinblick auf Körpervielfalt inklusiveres, Nachfolgewerk erschienen. Bislang hat es seinen Weg auf den deutschsprachigen Markt noch nicht gefunden. „Die Geschichte überzeugt nicht“ heißt es. 

Der Bedarf nach solchen Büchern ist aber definitiv da. Spätestens seitdem der mit  „Lina, die Entdeckerin“, ein Kinderbuch, in dem die im Mittelpunkt steht, herausgebracht hat, habe ich unzählige Anfragen nach einem „Pendant“ bekommen. Das gibt es nun seit kurzem: Im Vorwort schildern die Macher_innen ihre Motivation für „Bruno will hoch hinaus“:

„Penis und Hoden werden in Kinderbüchern bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das mag damit zu tun haben, dass diese sichtbar sind und von klein auf mit diversen Begriffen versehen werden. Dementsprechend herrscht der allgemeine Eindruck, man wisse vieles darüber. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man jedoch einen verletzenden und tabuisierten Intimbereich, der stark an gesellschaftliche Stereotype und toxische Männlichkeitsbilder geknüpft ist. Mit diesem Buch möchten wir dem entgegenwirken.“

Das gelingt ziemlich gut. Die detailreichen Illustrationen beziehen sich sowohl auf die durchgehende und relativ unaufregende Geschichte, in der das Kind Bruno eine Weltraumrakete konstruiert, baut und startet, aber auch auf die informativen Sachinfos rund um den Penis und die Hoden, die sich durch eine andere Schriftart davon abheben. Hier werden Mythen und Klischees gebrochen, Wissen und ein körper-positiver Zugang vermittelt. Warum tut ein Schlag in die Hoden so weh? Wie unterschiedlich können Penisse aussehen? Wie funktioniert das mit der Hygiene? Welche Begriffe verwenden Menschen? Diese und weitere Fragen werden beantwortet.

Wie auch bei „Lina die Entdeckerin“ funktioniert das zweigeteilte Konzept sehr gut. Je nach Interesse, Entwicklungsstand oder Wissbegierde kann entweder das eine, das andere oder beides vorgelesen werden. Eines vermittelt das Buch jedoch sicher: Liebevolles und wertschätzendes Körperbewusstsein. 

Witzige Details befinden sich auf der auf einer wimmeligen Doppelseite. Auf dem Bild, auf dem Bruno mit seiner Rakete über der Stadt zu sehen ist, gibt es allerhand Penis-Referenzen aus unserem Alltag zu entdecken. Architektur, ein pinkelnder Engel-Brunnen, ein Feuerwehrschlauch und und Schmierereien an Wänden: Wer findet mehr?

Ziegelwanger, Staffelmayr & Horak: Bruno will hoch hinaus. 32 Seiten, 23 Euro, ab 3 Jahren. Achse Verlag 2022.

Wer sich für das Thema interessiert, möchte ich die Podcastepisode „Körper“ ans Herz legen. Auch in „Tabus, Übersetzungen, Sprache und Bilder“ ist von „Bruno“ die Rede. Wer auf der Suche nach Büchern zum Thema Körpervielfalt generell ist, möchte ich „Körper sind toll“ (für Jüngere) und „Wie siehst du denn aus“ (für Ältere) empfehlen. 

Übrigens: Ich habe „Bruno…“ (für mich) naheliegenderweise als „das Penis-Buch“ bezeichnet. Mein 5jähriges Kind hat mich korrigiert: Selbstverständlich ist es „das Raketen-Buch.“ Natürlich!!

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