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Überall Popos

Diese Rezension erschien zuerst im Missy Magazine 2/20.

© Illustrationen von Bettina Johansson aus „Überall Popos“, Klett Kinderbuch 2020

Die besten, lustigsten und schönten Kinderbücher kommen immer aus Schweden, meistens aus dem Olika Förlag, der es laufend schafft, grandiose klischeeaufbrechende und horizonterweiterende Werke zu veröffentlichen. Kürzlich auf Deutsch übersetzt wurde zum Glück Überall Popos, geschrieben von der Bloggerin und Journalistin Annika Leone. Sie will damit Kinder (und auch jenen, die ihnen Bücher vorlesen!) mitgeben, dass es absolut normal ist, dass Menschen unterschiedlich aussehen.

Supergut veranschaulicht die Illustratorin Bettina Johansson (Warum weint der Papa?) diese Tatsache anhand eines Schwimmbads. Dort gibt es so viele verschiedene große, kleine, mittlere, dicke, dünne, runde, faltige, dellige, hängende, pralle, stoppelige, tätowierte, glatte, dunkle, helle, behaarte und kahle Hintern, , Vulven und Bäuche zu sehen. Die vielfältigen in Umkleidekabine, Whirlpool und in der Sauna sind allerdings nur Nebenschauplätze. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Milas langersehnter Schwimmbadbesuch mit ihren Eltern, jener, an dem sie zum ersten Mal einen Sprung vom Beckenrand wagen will, dann aber gleich ihren Papa, der beim Sprung vom Dreier seine Badehose verliert, retten muss. Überall Popos ist ein unglaublich lustiges, fröhliches und kluges Vorlese- und Anschauvergnügen – und macht direkt Lust auf einen Ausflug ins Planschbecken!

Annika Leone: „Überall Popos“
Illustriert von Bettina Johansson
Aus dem Schwedischen von Monika Osberghaus
, 32 Seiten, 14 Euro, ab 4 Jahren



3 thoughts on “Überall Popos

  1. Finde diese Buch auch sehr empfehlenswert – und habe es bereits für die ak (analyse&kritik) rezensiert: https://www.akweb.de/ak_s/ak658/05.htm
    Leider geht es in der deutschsprachigen Ausgabe aber eben nicht um Vulven, sondern um Scheiden – das finde ich doch einen nennenswerten Unterschied. Dennoch, mit der kleinen Änderung von Scheide zu Vulva, die auch nur auf einer Seite nötig ist, ein echt tolles Buch. Und: Meiner Erfahrung nach können auch Kinder die jünger als vier sind das Buch genießen. Viel Spaß also beim (Vor)Lesen!

    Rezension:
    Überall Popos
    »Ist heute Samstag? Sagt, dass heute Samstag ist!« Seit Tagen freut sich Mila auf den gemeinsamen Schwimmbadbesuch. Endlich ist es soweit, heute will sie zum ersten Mal ins große Becken springen. Aber davor müssen Mila und Mama sich noch abduschen – zusammen mit all den anderen nackigen Menschen, deren Körper Mila interessiert betrachtet. Die sind so einzigartig und verschieden wie unsere Körper eben sind – und zum Glück keine Abbilder der weiß-schlank-genormten Ideale der Werbeindustrie. Dass die Diversität in der Frauenumkleide dabei ganz nebenbei in die Story einfließt, macht das Buch, unter anderem, echt (vor)lesenswert. Schade nur, dass Mama und Mila sich in der Dusche über all die »Scheiden«, die sie dort sehen, unterhalten – dabei ist doch spätestens seit Mithu Sanyals »Vulva« und Liv Strömquists »Der Ursprung der Welt« (ak 628) bekannt, dass es sich dabei um Vulven handelt. Und die dürfen vor allem auch in Kinderbüchern gern so genannt werden. Aber ab und zu stoßen eben auch sonst ganz wunderbare Kinderbücher an die Grenzen der Erwachsenenwelt, so auch als es Mama kurz peinlich ist, dass Mila laut die Vulven beschreibt. Dennoch wünsche ich mir, dass »Überall Popos« den Weg ins Bücherregal vieler Kinder und auch Erwachsener findet: Es ist eine humorvoll illustrierte und freche Geschichte über die fantastische Vielfalt der Körper – und vor allem über eine mutige Heldin, die mit einem kühnen Sprung vom Beckenrand am Ende sogar Papa rettet. Da kann Mama ruhig mal in der Sauna abhängen.

    1. Ja das ist ein wichtiger Hinweis, der bei mir der 1600-Zeichen-Begrenzung zum Opfer gefallen ist. Finde ich auch nicht gut (übersetzt) aber zumindest ist es ja kein Sachbuch o.ä. und kann außerdem beim Vorlesen leicht abgewandelt werden. (Hier kann auch das Dreijährige das Buch schon auswendig.)

  2. Was ich gut finde, ist, dass Körper eben unterschiedlich sind. Ich frage mich nur, warum der weibliche Körper unbedeckt von vorn gezeigt werden darf, aber der männliche scheinbar nicht.

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