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Wie macht man eigentlich ein Baby?


Die Autorin und Illustratorin Anna Fiske nimmt in ihren Kinderbüchern selten ein Blatt vor den Mund – auch dieses Mal nicht. Wurden Vorleser*innen und Zuhörer*innen schon in “Alle haben einen Po” mit allerlei nackten Tatsachen konfrontiert, geht es auch in der neuesten Übersetzung, erschienen im , nackig zu.

In meinem eigenen Bücherregal steht das Buch bereits seit Frühjahr 2021, in der englischen Übersetzung, entsprechend groß ist meine Freude, dass es nun auch auf Deutsch erhältlich ist, erschien die norwegische Fassung doch bereits 2019, als bei uns erst “Alle haben einen Po” auf den Markt kam.

Diese Jahreszahlen mögen nun verwirrend klingen und ich erlaube mir an dieser Stelle etwas auszuholen und in meiner Recherchekiste zu kramen. Im Rahmen meiner Forschung zur Repräsentation von Körpern in Kinder- und Jugendbüchern, mit einem Fokus auf erzählenden Sachbüchern, habe ich die letzten zwei Jahre sehr viele Bücher verglichen, hatte die Gelegenheit mit großartigen Autorinnen und Illustratorinnen sehr lange Gespräche zu führen (Danke, falls ihr das hier lest!).  Unter anderem habe ich Fragen auch direkt von den Verlagen beantwortet bekommen und die eine oder andere Diskussion unter Instagram Posts von Kinderbuchblogs mitgelesen. 

Zu “Alle haben einen Po” hat Jo Lücke im Jänner 2021 einen ausführlichen Post auf Instagram veröffentlicht, in dem sie Text- und Bildkorrekturen vorschlug die das Buch unter anderem weniger binär-biologistisch machen könnten.

Als ich im April 2021 eine gute Stunde Zeit hatte um via Zoom mit Anna Fiske über “Alle haben einen Po”, ihre Arbeitsprozesse und Entscheidungen im Rahmen einer Buchveröffentlichung sprach, berichtete sie auch, dass sie seit Erscheinen von “Alle har en bakside” (so der norwegische Titel, der wortwörtlich übersetzt “Alle haben eine Rückseite” heißt und nichts mit Pos zu tun hat) ein viel umfassenderes und inklusives Verständnis von Gender und Geschlecht hat.

Genau das spiegelt sich in “Wie macht man eigentlich ein ” wieder. Denn neben heteronormativen Paarkonstellationen sind unter anderem auch gleichgeschlechtliche Paare abgebildet mit Kinderwunsch, oder alleinstehende Personen. Auch die Erklärung warum es mit dem Kinderwunsch nicht klappen kann, oder die vielfältigen Weisen wie ein entstehen kann werden wertungsfrei aufgezeigt. 

Hervorzuheben ist auch, dass dem unerfüllten Kinderwunsch und der Schwierigkeit ein Kind zu zeugen ebenso als ganz normaler Bestandteil des Weges zum Baby Raum gegeben wird.

Das ist insofern besonders, da es entweder gegenüber Kindern selten erwähnt wird, oder im Kontext der eher hervorgehoben wird, wie schnell man schwanger wird und wie groß die Gefahr ist (oft größer, als die Gefahr einer sexuel übertragbaren Krankheit).

Zwar gibt es auf der Textebene Zuschreibungen von Vulva ist weiblich, Spermien männlich und die obligatorische Doppelseite mit nackten Körpern entsprechend einer binären Aufteilung ist enthalten, aber es überwiegen die Darstellungen von Figuren bei denen die Zuschreibung den Leser*innen und Betrachter*innen überlassen wird.

Zusätzlich zu den Bildern und Erklärungen zu künstlicher Befruchtung, wird auch das Gebären selbst auf unterschiedliche, ehrliche Weisen dargestellt. Sowohl was die Dauer der Wehen und des Geburtsprozesses angeht, als auch die Körperhaltungen oder die Art der Eingriffe, wie etwas durch den Kaiserschnitt, die notwendig sein können. 

Alles in allem ein Buch das eine gute Ergänzung zu anderen Büchern rund um Zeugung, , Geburt und das Entstehen einer Familie mit Kind(ern) darstellt.

“Wie macht man eigentlich ein Baby?”, Anna Fiske – Hanser Verlag 2022, 14,50 Euro

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