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Spieglein, Spieglein an der Wand …


haben ein Imageproblem. In Märchen sind sie es, die der Königin sagen muss wie schön sie sei, wenn nur Schneewittchen nicht wäre. Im Alltag sind sie es, die uns vermeintlich unsere “Problemzonen” offenbaren. Und selten blickt man in den , ohne zumindest einen Hauch eines Zweifels am eigenen Aussehen zu haben. Geht der unliebsame dann (endlich) zu Bruch, bringt das gleich noch mehr Unglück.

“Penny, der Spiegel” erzählt aus der Perspektive Pennys, eines Spiegels, von diesem Problem. Jedoch mit einem kleinen Twist. Denn die Kritik, die die Betrachter*innen an sich und ihrem Aussehen finden, hören Penny und die anderen Spiegel als Gemeinheiten die ihnen gesagt wird. Nachdem Penny also oft genug gesagt wurde, dass sie mit dem falschen Bein aufgestanden ist, die Ohren zu lange sind und das Kinn wie eine Banane aussieht, nimmt sie sich eine Auszeit von den Menschen. In der Abgeschiedenheit trifft sie auf Ben.

“Wenn die Leute dich anschauen und mit dir reden, glaubst du, dass sie dir etwas sagen wollen. Aber in Wirklichkeit sagen sie es doch zu sich selbst.” 


Ben gibt ihr darüber hinaus den Hinweis, dass Spiegel doch etwas dazu beitragen können, dass sich Menschen besser fühlen, wenn sie ihr Spiegelbild betrachten. So könnten die Spiegel den Zweifeln etwas entgegnen, indem sie etwas Positives an der Person hervorheben.

“An einem Huhn würde die Nase albern aussehen, aber dir steht sie fantastisch”, antwortete ich.

“Ida und der Zauberspiegel” nähert sich dem Thema Unzufriedenheit und Zweifeln am eigenen Aussehen beim Blick in den Spiegel auf eine ähnliche Art. Der Zauberspiegel ist der geschmolzene Schnee, was wahrlich zauberhaft ist, denn mit dem Verschwinden des Schnees erwachen die Tiere aus ihrem Winterschlaf. Ida, der Igel, Pippa, der Fuchs und Pronto, der Grünspecht, lassen sich das Spektakel natürlich keinesfalls entgehen, wenn alle Tiere auf der Wiese versammelt sind und sich im geheimnisvollen Schimmern betrachten. 

Unter den Tieren, wie bei den Menschen auch, gibt es ein scheinbar unantastbares Schönheitsideal – Estelle; ein prächtiger Vogel. Rot, Federkrone, gestreifte Flügel, groß, langer Schnabel. Doch Estelle ist nicht nur schön, sondern auch weise. Und so entgegnet sie dem Amselkind, dass sich an ihrer Schönheit misst:

“Im Zauberspiegel findest du so viel Schönheit, wie du willst. Wenn du sie nicht gleich siehst, musst du genauer hinschauen. Probier es aus!”

Die drei Freund*innen Ida, Pronto und Pippa tun es den anderen gleich. Stellen sich vor den spiegel, drehen sich, begutachten sich und die Urteile fallen unterschiedlich aus. Während Pronto ein freudiges Resumee über sein Äußeres zieht, ist Pippa eher unzufrieden und Fell und Schweif scheinen irgendwie struppig und gar nicht so, wie es sich für einen Fuchs im Frühling gehört. Und Ida macht sich nach dem langen Winter eigentlich das meiste aus dem Gedanken an einen vollen Magen und Snacks und so nimmt sie aus dem Zauberspiegel erst einmal einen Schluck um dann -PLATSCH- darin zu baden. 

So wird am Ende dem Zauberspiegel seine Deutungshoheit über “schön”, “gut”, “schlecht” entzogen und auch Pippa kann ihm etwas Wunderbares abgewinnen.

Etwas resoluter geht es in “Hübsch” zu. 

Die Hexe ist auf dem Weg zu einer Verabredung und hier übernehmen die Tiere des Waldes die Rolle des Spiegels und eine*r nach dem anderen erklärt ihr, welcher Körperteil noch nicht hübsch genug ist.

Und für eine Hexe sollte es doch leicht sein mit etwas Hexerei den Knubbel am Kinn, den haken in der Nase, den Buckel am Rücken und so weiter wegzumachen, oder? 

Als die Hexe am Sumpf zum Picknick mit dem Oger erscheint ist dieser schockiert. Denn die Hexe sieht nicht aus wie die Hexe.

“Mich legst du nicht herein. Die Hexe ist gekrümmt, sie hat eine Kartoffelnase, ein spitzes Kinn und Haare wie Draht. Du bist nicht die Hexe!”

Und tatsächlich, ein Blick in den Spiegel bestätigt, “Igitt, wie grässlich. Es stimmt, das bin nicht ich.”. Die Hexe wäre nicht die Hexe würde sie dies einfach auf sich sitzen lassen. Und nachdem sie sich zurückverwandelt hat, hext sie schnell für das Date noch etwas Essen herbei. Kaninchenragout, Eichhörnchenschnitzel, Mäuse Cordon bleu und gebratenen Fuchs …

Egal ob nun auf die sanfte Art und Weise oder mit knallhartem schwarzen Humor, Selbstzweifel am eigenen Äußeren heißt es etwas zu entgegnen und genau dafür sind Hexe, Oger, Ida, Penny, Pippa und Co perfekt (denn häufig sind es ja vor allem Dinge, die uns irgendwann einmal irgendwer eingebläut hat, wie wir sein zu haben oder wie man uns und unsere will).

“Penny, der Spiegel”, Dave Bell und Martin Nicolausson, 2022, 14,90 Euro

“Ida und der Zauberspiegel”, Astrid Nagl und Judith Auer, Edition Nilpferd 2022, 14,95 Euro

“Hübsch!”, Canizales, 2020, 16,00 Euro

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