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Ist das okay? Ein Kinderfachbuch zur Prävention von sexualisierter Gewalt

und Kinderbücher. Bei dem Thema komme ich nie umhin, den wichtigen und treffenden Artikel, den Luise Strohtmann 2019 in der taz veröffentlicht hat, zu zitieren: Sie rief darin auf, Kinderbücher wegzuwerfen, die vor sexualisierter Gewalt schützen wollen, sich aber inhaltlich schlicht auf die Botschaft „Ich gehe nicht mit Fremden mit“ zu beschränken. Sie schreibt: „Die Art wie Täter konstruiert werden, ist mehr als unbedarfte Pädagogik. Der „Kinderschänder“ erfüllt eine gesellschaftliche Funktion. Er ist „der Andere“, möglichst fremd, möglichst weit weg. Damit lenken wir davon ab, dass es um alle geht.“

Wirkliche Präventionsarbeit ist (wie fast alle Erziehungssachen) höchst anstrengend, weil sie Dinge beinhaltet, die Erwachsene selbst nicht gelernt oder verinnerlicht haben. Bei diesem Prozess können Kinderbücher sehr wohl unterstützen. Wenn es darum geht, wie man eigene zieht und die von anderen wahrt, wenn Konsens und das Bewusstsein für den eigenen thematisiert werden, oder wenn sie helfen, die eigene Gefühlswahrnehmung zu schärfen, zum Beispiel.

Kürzlich ist mit „Ist das okay?“ ein Buch erschienen, das ich als zeitgemäßes, radikales und unglaublich wichtiges Standardwerk zum Thema bezeichnen würde.

„Ich habe darüber nachgedacht, was es gebraucht hätte, damit ich mich als Kinder meiner Mutter anvertraut hätte. Ich glaube, ich hätte all diese Fragen gebraucht. Ich hätte gebraucht, dass mir jemand diese Fragen stellt und mit mir diskutiert. Und wohl am wichtigsten wäre gewesen, wenn mir jemand gesagt hätte, dass es falsch ist, wenn mich jemand berührt, wie es mein Onkel getan hat. Ich hätte ein Buch wie dieses gebraucht“.

Darüber sprechen

Dieses Zitat einer anonymen Betroffenen steht dem Kinderfachbuch zur Prävention von sexualisierter Gewalt voran. Geschrieben wurde „Ist das okay?“ von einer Expertin in diesem Bereich, der Schweizerin Agota Lavoyer. Es richtet sich an Kinder und Erwachsene. Lavoyer ist der Meinung: Prävention gelingt am besten, wenn sie unaufgeregt in den Alltag gebettet und regelmäßig geschieht. Die gemeinsame Lektüre des Buches unterstützt dabei.

Es besteht aus kurzen Texten (manche richten sich an Kinder, manche an Erwachsene aber alle können von allen gelesen werden) realistischen Illustrationen (von Anna-Lina Balke) und zahlreichen Fragen, die einladen ins Gespräch zu kommen um verschiedene Situationen aus der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen (von Umziehen, Baden und Kitzeln bis hin zu Fotografieren, Chatten und Pornographie) zu prüfen und gemeinsam Grenzen zu entdecken.

Wissen schützt

Weitere Kapitel setzen sich mit den Tricks der Täter_innen auseinander und geben einen kurzen Überblick über Interventionsmaßnahmen. Ich bin wirklich froh, dass es diese fundierte und hochwertige Buch gibt und will es allen empfehlen, die das hier gerade lesen. Zum Drüberstreuen: Das Werk ist sowohl sprachlich als auch bildlich inklusiv.

Gut zu wissen

Und zum Schluss noch zwei wichtige Hinweise, die ich persönlich aus der Lektüre mitgenommen habe: „Es ist wichtig eine Balance zu bewahren und mit Kindern nicht nur über Grenzverletzungen und sexualisierte Gewalt sondern auch über die unbeschwerten, schönen Seiten von Nähe, Berührung und sprechen.“ und „Es ist für Kinder nicht verängstigend zu wissen, dass die meisten Täter_innen keine Fremden sind. Für Kinder ist das eine Information die sie entgegennehmen und ihr Wissen erweitern.“

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