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Zug der Fische. Ein Kinderbuch über Arbeitsmigration und Eurowaisen

Das zu Tränen rührende Bilderbuch Zug der Fische beleuchtet eine Perspektive auf die , die sonst meistens unsichtbar bleibt. Es erzählt die Geschichte einer Eurowaisin aus den Karpaten. Was genau das ist, erklärt der Journalist Keno Verseck im Nachwort: Als Eurowaisen werden osteuropäische , deren Eltern für wenig Geld im Westen arbeiten, bezeichnet. Meist leben sie bei Großeltern oder Nachbarn oder große Geschwister kümmern sich um sie.

Marika wächst bei ihrer Großmutter in einem kleinen ukrainischen Dorf auf, sammelt Blaubeeren und verkauft sie auf dem Markt, mag Harry Potter („Die Lehrerin hatte erzählt, auch Harry ist ohne Eltern aufgewachsen, nicht einmal eine Großmutter hatte er. Und wenn er traurig war, schaute er das Fotos einer Eltern an, und sie lächelten ihm zu.“) und hütet die Briefe ihrer Mutter wie einen Schatz. Neben wenigen Nachrichten schickt die Mutter vor allem regelmäßig Geld via Western Union. Den anderen Kindern im Dorf geht es ähnlich. In der weiteren Geschichte wird symbolisch aber eindrücklich (und mit religiösen Referenzen) beschrieben, welche Zerrissenheit die zurückgelassenen Kinder empfinden.

Keno Verseck beschreibt dies folgendermaßen: „Die große Sehnsucht nach den Eltern begleitet sie ständig, sie ist eines ihrer Grundgefühle im Alltag. Gleichzeitig sollen sie ihren Eltern für deren Abwesenheit dankbar sein oder fühlen sich jedenfalls dazu verpflichtet. Denn immerhin arbeiten die Eltern ja auch oder sogar vor allem deshalb im Ausland, weil sie für das materielle Wohl ihrer Kinder sorgen und deren Zukunft sichern wollen.“

Verfasst hat dieses besondere und wichtige Buch, die ursprünglich aus der West- stammende, Pfarrerin der Christengemeinde (einer christlichen Kirche, die der Anthroposophie nahe steht) . Die starken und eindringlichen Illustrationen wurden von gezeichnet. Lesenswert ist es in zahlreichen Kontexten aber vor allem in einem Land, dessen Wirtschaft nicht ohne billige Arbeitsmigrant_innen funktionieren würde.

Yaroslava Black: Zug der Fische
Illustriert von Ulrike Jänichen
32 Seiten, 18 Euro,
2020

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