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Rosa Räuberprinzessin

Bei all der absolut berechtigen, notwendigen und sehr wichtigen Kritk an Gendermarketing und Pinkifizierung sollte darauf geachtet werden, dass sie letzten Endes nicht vor allem die Kinder trifft, die mögen. stinkt nicht, die Farbe an sich ist nicht der Feind. „Das Problem sind nicht rosafarbene Werkzeugkästen, sondern, dass sie als kapitalistisches Produkt für eine bestimmte, gegenderte Zielgruppe hergestellt werden.“ sagt Hengameh Yaghoobifarah, die seit jeher ein_e unermüdliche_r Verfechter_in der Farbe ist. Rosafeindlichkeit, auch unter einem progressiven Deckmantel, kippt leider allzuoft in misogyne Abwertung um, diese deklassiert vor allem junge . Das Buch Räubertochter bedient sich zwar durchaus einiger Klischees aber dekonstruiert sie gleichzeitig.

Die Hauptfigur Rosa heisst zwar so, abgesehen davon halten ihre Öko-Eltern nichts von der Farbe. Rosa trägt die Latzhosen ihrer drei älteren Brüder auf, doch insgeheim wünscht sie sich nichts sehnlicher als ein Prinzessinnenoutfit und ein Einhorn. Ausgerechnet dieser Wunsch erfüllt sich bald, als Rosa den sprechenden Esel Einhorn auf einem Jahrmarkt kennenlernt und kurzerhand mitnimmt. Gemeinsam machen die beiden Grillenwinkel unsicher und erleben allerlei schräge Abenteuer. Es gibt in dem Buch noch weitere Aspekte, die es auch aus anderen Perspektiven interessant machen: Rosas Freundin wächst bei ihrem alleinerziehenden Vater auf und auch Armut ist immer wieder Thema. Rosas Eltern, die Grillen zum Verzehr züchten, haben nicht viel Geld (kaufen aber interessanterweise trotzdem in Bio-Versandhäusern ein), Rosa selbst ist mit einem Obdachlosen („Opa Ohnedach“) befreundet.

Rosa Räubertochter ist ein liebeswertes und kurioses Buch, das zeigt, dass eine Lieblingsfarbe nicht über den Charakter eines Menschen aussagt und dass es durchaus möglich ist, Rosa zu lieben und gleichzeitig  wild, frech und wunderbar zu sein. Es eignet sich zum Vorlesen für Kinder ab 6 Jahren. Selbstleser_innen sollten schon geübter sein, die Schriftgröße ist eher klein gehalten auch sprachlich ist es für Erstleser_innen stellenweise zu komplex.

Annette Roeder: Rosa Räuberprinzessin
Illustriert von Katrin Engelking
cbj Verlag, 2018

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