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West, West Texas


(CN Vergewaltigung, – ohne explizite Beschreibung)

“West, West Texas” ist ein von Tillie Walden  der 2019 bei erschien. Der Comic beschreibt eine fantastische, streckenweise düstere und doch auch tröstliche Reise mit dem Wohnwagen durch den Bundesstaat Texas. Lou ist unterwegs um ihre Tante zu besuchen und eine Auszeit von ihrem Job als Automechanikerin zu nehmen und an einer Raststation, in der sie eigentlich nur auf die Toilette will, trifft sie auf Bea.

Lou erkennt Bea, die aus der gleichen Stadt kommt und bietet ihr an sie mitzunehmen. Zuletzt stößt zu der ungleichen Reisegemeinschaft noch eine weiße dazu, die auf den Namen Diamond getauft wird. Diamond trägt eine Marke am Halsband, auf der die Adresse vermerkt ist “43 Glenwood Drive, West, West Texas”. West – ein Ort, von dem niemand zu wissen scheint, wo er genau liegt.

Das Lesen des Comics ist rückblickend so verwirrend und diffus wie die Fahrt nach West, einer Stadt, die auf keiner Karte zu finden ist, auf der Straßen aus dem Nichts auftauchen und die Verfolgungsjagd, bei der Brücken hinter Lou, Diamond und Bea einbrechen.

Der Comic hat kein Happy End, aber weder Bea noch Lou sind am Ende des Buches am Ziel ihrer Reise angelangt. Vielmehr ist es eine Zwischenetappe und bei all der Unruhe wird man als Leser*in mit dem Gefühl zurückgelassen, dass sowohl Bea als auch Lou nun besser wissen, wohin sie eigentlich wollen. Lou reist zurück in ihre Heimat, um dort nach einer Auszeit wieder ihrer Arbeit nachzugehen, die Knochenjob, aber auch Erfüllung ist. Und Bea hat sich ein Stück weit von ihrer Vergangenheit lösen können, von der sie erst weglief und zwischendurch Angst hatte, wieder eingeholt zu werden. Und vor allem allein zu sein.

“Tillie Walden erzählt eine Geschichte über Freundschaft, und den Mut, sich seinen inneren Dämonen zu stellen und das Steuer selbst in die Hand zu nehmen.” (Klappentext)

Der Comic ist vermutlich nichts für Comic-Frischlinge und man muss sich darauf einlassen, dass vieles unlogisch erscheint und unbeantwortet bleibt. Der vermeintliche Konflikt, der zwischen den beiden immer wieder auflodert, macht inneren Konflikte sehr gut nachvollziehbar. Das Wachstum über sich selbst hinaus, das bei beiden der Protagonistinnen zu beobachten ist, gibt aber Mut, dass es sich bezahlt macht, sich zu öffnen und sich einander anzuvertrauen. 

Und so legt man das Buch nach der letzten Seite mit dem Wissen zur Seite, dass man die beiden nun alleine weiterreisen lassen kann.

Tillie Walden 2019: West, West Texas. Reprodukt, € 29,00

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