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Wenn Worte meine Waffe wären

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Sheherazade ist mit ihren Eltern, Mutter und Vater, nach Dänemark gekommen, als sie sieben Jahre alt war. Seitdem ist ihre Mutter immer religiöser geworden, ihr Vater kann nicht aufhören, sich mit dem zu beschäftigen, den er nur physisch hinter sich gelassen hat. Sheherazade, jetzt 17, verarbeitet ihre Erfahrungen, Ängste und Träume in Zines.

Als ihr Vater nach einem Herzinfarkt ins Krankenhaus kommt, lernt sie dort Thea kennen, deren Mutter ebenfalls hier liegt. Mit ihr kann sie endlich wieder lachen und frei sprechen, wie sie es bisher noch mit keiner anderen Person konnte. Sie verlieben sich in einander, und Sheherazade ist glücklich, bis ihre Mutter sie zufällig bei einem Kuss beobachtet. Sheherazade muss ihr zu Hause verlassen und kommt bei Thea unter. Schließlich wagt sie es, ihren Vater zu besuchen, ihm von sich und Thea zu erzählen und wird positiv überrascht.

„Wenn Worte meine Waffe wären“ ist nicht nur eine feministische und lesbische Liebesgeschichte, es erzählt von (antimuslimischem) Rassismus ebenso, wie von religiösem Konservativismus und den daraus resultierenden Einengungen. Nicht zuletzt beschreibt es, wie sich Krieg auf Menschen auswirkt, auf diejenigen die direkt Gewalt erfahren haben wie auch auf diejenigen, die ihnen nahe stehen.

Kristina Aamand, selbst Tochter einer dänisch-katholischen Mutter und eines palästinensisch-muslimischen Vaters, erzählt einfühlsam von den Wünschen, die Sheherazade für ihr eigenes Leben hat und den Erwartungen ihrer Eltern, die sie so gerne erfüllen würde. Sie zeigt aber auch, dass es ein wichtiger Schritt ist, mit einander zu sprechen, weil man erst dann wirklich wissen kann, was eine andere Person denkt. Und dass man manchmal besser daran tut, die eigenen Ziele zu verfolgen, als Angst vor den Verurteilungen durch andere zu haben, oder wie es Sheherazades Vater ausdrückt: „Jeder ist damit beschäftigt, mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu predigen, wie schlecht sie sind. Dabei vergessen sie nur eins. Wenn sie einen Finger ausstrecken, sind immer noch drei auf sie selbst gerichtet.“

Kristina Aamand: „Wenn Worte meine Waffe wären“. Oetinger 2021, 271 Seiten, 10,30 Euro,

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