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Tatort Eden 1919

Was hat der Sommer 2015 mit dem Winter 1918/19 zu tun? Nicht besonders viel, die Autorin Maja Nielsen hat es in diesem Werk trotzdem geschafft, die Zeit, in der viele Geflüchtete in Deutschland Schutz suchen und die Zeit der Novemberrevolution geschickt zu verknüpfen und einen spannenden Politkrimi für Jugendliche zu schreiben.

Der 17jährige Biko ist seinem Traum, Artist zu werden mit der Aufnahme an der renommierten Berliner Artistenschule ein Stück näher gekommen. Ausgerechnet im Sommer 2015 erreicht der Schwarze Sauerländer die Stadt, zeitgleich mit vielen Schutzsuchenden. Während er zu Beginn selbst für einen Geflüchteten gehalten wird, beginnt er sich in der Refugees-Welcome-Bewegung zu engagieren und lernt Zusammenhänge zu verstehen.

Zeitgleich in der Schule wird Biko vom alten Clown Moniseur Vite, anhand einer Requisite aus dem Fundusm sowohl in die Kunst der Clownerie als auch in die Vorkommnisse in Berlin in den Jahren 1918/19 eingeführt. Der Koffer, den Biko in einem Stück verwendet, war in Besitz des Kellners und späteren Clowns Pico, der zu dieser Zeit im Hotel Eden arbeitete und die Vorgänge rund um die Konterrevolution, die in den Morden an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gipfelten, hautnah beobachten konnte.

Revolutionäre Matrosen, streikende Arbeiter_innen, junge Mädchen als schwarze Katzen (so wurden bewaffnete Kampfgruppen genannt, die den Friedensaktionen der Arbeiter_innen Schutz gegen den zu erwartenden Waffeneinsatz der Reaktion geben sollten) und Picos beste Freundin, eine kommunistische Prostituierte auf der einen, sozialdemokratische Politiker, rechte Bürgerwehren und das kaisertreue Militär auf der anderen Seite. So war das damals. Die Novemberrevolution ist im historischen Gedächtnis kaum verankert um so lobenswerter ist dass 100 Jahre später die Autorin historische Fakten spannend aufbereitet und in einen fesselnden Roman verpackt hat. Ein sehr lesenswertes Buch.

Maja Nielsen: Tatort Eden 1919 (Gerstenberg)

One thought on “Tatort Eden 1919

  1. Ich habe das Buch heute in der örtlichen Stadtbücherei entliehen und bin schon sehr gespannt.
    Als Jugendliche habe ich vor über 30 Jahren Klaus Kordons Buch “Die roten Matrosen oder ein vergessener Winter” gelesen. Das Buch hat mich damals nachhaltig beeindruckt. Es hat mich sehr darin bestärkt, mich für die Geschichte Deutschlands zu interessieren. Ich lasse mich gerne überraschen wie Maja Nielsen diese Zeit beschreibt.
    Vielen Dank für die vielen unterschiedlichen Buchtipps!
    Herzliche Grüße,
    Kathrin

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