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ON THE COME UP: Laut. Wütend. Schwarz.

Endlich ein neuer Roman von , der Autorin von “The Hate U Give“, dem nahezu besten (Achtung! Subjektive Meinung!) Jugendbuch der letzten Jahre über Polizeigewalt und in den . Für alle am Thema interessierten Jugendlichen, die gern lesen und sich von der Dicke des Romans nicht abschrecken lassen, ist dieses hier jedenfalls ab 13 oder 14 Jahren zu empfehlen. Für alle anderen eher erst ab 15 oder 16 Jahren, würde ich meinen. Ich habe das Buch auf Deutsch gelesen, und den Eindruck, dass der Übersetzung das Spiel mit Sprache, Wortakrobatik, das Jonglieren mit Reimen und Hooks (= Refrain) sehr gut gelingt. Zumindest in meiner Wahrnehmung und da die -Texte ohnehin in englischer Sprache belassen wurden, gibt es als Bonus tiefe textliche Einblicke in die hohe Kunst des .

Ich liebe die Hauptdarstellerin Bri, sie ist 16, will Rapperin werden, ist tough, ehrgeizig, clever und doch durch und durch eine authentisch beschriebene Jugendliche, die sich nicht aufhalten lässt, Blödsinn macht, unvorhersehbar reagiert, wütend und trotzig ist. Und ja verdammt. Rassismus, soziale Ungerechtigkeit, , alles miteinander fein verwoben zieht sich als roter Faden durch Bris Leben, wie durch das Leben Millionen anderer. Gangs, Kleinkriminalität, Bandenkriege, nichts zu essen zuhause, arbeitslose Eltern, die durch unterschiedliche Schicksale schwer einen Job finden können, Schwarze Kinder, die aus dem Schwarzen Stadtteil raus in eine weiße Schule geschickt werden, um überhaupt eine Chance zu haben. Und überall Rassismus: Intensivere Kontrollen auf Waffen und Drogen am Schuleingang nur für die Schwarzen Kids, kritisches Beäugen und nicht allein gelassen werden beim Shopping, eine Höllenangst vor jeder noch so kleinen Polizeikontrolle, rassistische Stereotype von Weißen gegenüber People of Colour quer durch die Bank. Das macht wütend und Bri trägt viel Wut in sich. So rappt sie sich ihre Gedanken aus dem Kopf und wird nach einem kurzen Auftritt auf der lokalen Battle Rap-Bühne zur gefeierten Ganster-Rapperin der Hood. Damit folgt sie ihrem ermordeten Daddy auf den Fuss und muss erkennen, dass dessen ehemalige Kumpels ebenfalls noch dick im Biz mitmischen und nicht unbedingt das Beste für sie wollen.

Mit ihrem berühmt zu werden, will Bri ihre Familie vor der ständig lauernden Armut retten, und damit irgendwie für immer aus dem Teufelskreis aussteigen. Doch mit dem einen Song über Rassismus und Gewalt beginnt auch eine mediale und rassistisch aufgeladene Hetzkampagne gegen ihre Person, die nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist.

Ein wunderbarer Roman, ein Meisterstück mit großem Lernpotential: Tiefe Einblicke in das Leben von Schwarzen Jugendlichen in den USA, eine großartige Darstellung der außer Kontrolle geratenen medialen Hetze und deren Streuung von Fake News, haufenweise Hintergrundwissen rund um Battle Rap (danke vielmals für das Glossar!), Schwarze Subkultur, geniale Texte, eine grandiose Protagonistin und viele weitere charismatische Persönlichkeiten. Ich bin Fan und möchte den Roman jedenfalls demnächst noch einmal lesen, denn ich bin nicht sicher, ob ich als weiße Person alles so verstanden habe, wie es zu verstehen ist. Daher ganz im Sinne von “Liebe weiße Mitmenschen”: Lasst uns still sein und zuhören, was Bri zu sagen hat.

Angie Thomas: ON THE COME UP (CBJ-Verlag), 18,50€

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