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Luftpiratin Zoya

Gute Fantasy-Bücher mit weiblichen (oder gar queeren) Heldinnen zu finden, ist schwer (bis fast unmöglich). Noch mehr gilt dies für Jugend-Fantasy-Bücher – in meiner Kindheit hätte ich oft nichts lieber als das gelesen. Gerade das Pirat_innen-Genre gäbe ja allerhand her, doch offensichtlich finden sich wenig Autor_innen dafür.

Vorliegendes “Zoya – Heldin der Lüfte” bedient zweierlei: Zum Einen ist es keine klassische Piraten-Story auf Hoher See, sondern geht eindeutig in Richtung Steampunk, also der Vermischung klassischer Retro-Motive wie Schatzsuche und Robin Hood-Ideologie mit hochentwickelten Technologien, mithilfe dessen die Himmelsdiebe nicht am Meer, sondern in der Luft segeln. Zum Anderen ist es der Beginn einer Coming-of-Age-Story mit typischer “finde deine Wurzeln und damit auch deinen Platz in der Welt”-Entwicklung.

Ich mag die zentrale Figur der Geschichte, Zoya, ein selbstbewußtes, wildes, störrisches und freiheitsliebendes Waisenkind, das den geliebten Waisenhaus-Leiter sterben sieht und daraufhin von Himmelsdieben entführt wird. Ich mag die technischen Beschreibungen der Abläufe auf dem Luftschiff, die Szenen, in denen Zoya von der einzigen anderen Frauenfigur, die im Buch vorkommt (daher gerade noch den Bechtel-Test geschafft), mit Schwert und Dolch kämpfen lernt. Die allermeisten Charaktäre kommen ohne genauere Beschreibung ihrer Emotionen, Gedanken oder Aussehen aus, was ich persönlich schade finde, weil alles dadurch etwas eindimensional wirkt, mich als jugendliche Leserin allerdings wenig gestört hätte.

Für ein Fantasy-Buch fehlt mir die fast schon obligatorische Karte der Gegend, in der sich die ProtagonistInnen bewegen und ein paar Zeichnungen. Noch mehr fehlen mir aber die Frauen in der Geschichte. Erwähnte Kampftrainerin und ebenfalls Luftpiratin Rosie bleibt neben Zoya die einzige und das finde ich einfach ein bisl zu wenig, egal welches Genre.

Ich hab auf irgendeiner Buch-Rezi-Seite gelesen, dass es ab 10 Jahren empfohlen wird. Dem stimme ich zu, wenn auch mit Ergänzung “für Lesebegeisterte”, denn das Buch ist dick und mit 300 Seiten schon eine ausufernde Lektüre für manche.

Dan Walker: Zoya – Heldin der Lüfte (Planet!)

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