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Ein Bilderbuch über die Weltreisende Ida Pfeiffer: Ida und die Welt hinterm Kaiserzipf

In den letzten Jahren sind zahlreiche Bilderbücher über das Leben außergewöhnlicher Frauen erschienen. Empfehlenswerte haben wir in der Kategorie Inspirierende Frauen gesammelt. Von mir aus soll dieser Buchmarkttrend gar nicht abklingen. Diese kunstvollen Hommagen sind ein wichtiger Beitrag zur Sichtbarmachung von Lebensgeschichten abseits von Rollenvorschreibungen, Konventionen und Klischees.

© Illustrationen von „Ida und die Welt hinterm Kaiserzipf“, 2020

Vielleicht wäre heute das, was man als Travel Influencer bezeichnet. Die Wienerin bereiste als erste europäische Frau alleine große Teile der Welt und schrieb Bücher darüber. Der Weg dahin war jedoch ein weiter. Ida träumte schon als Kind von Forschungsexpeditionen und Fernreisen, doch in der Biedermeierzeit, in der sie lebte, waren solche Dinge für Frauen nicht vorgesehen. Die ersten zwei Drittel ihres Leben verliefen recht konventionell. Ida versuchte dem von ihr erwarteten Rollenbild zu entsprechen, doch nachdem ihre beiden Söhne aus dem Haus waren, wagte sie es, trotz wenig finanzieller Mittel, ihrer Berufung nachzugehen.

Genau so wieder Künstler ein unstillbares Verlangen zu malen in sich fühlt und der Poet seinen Gedanken freien Lauf lassen muss, fühlte ich mich gedrängt von einem unbezwinglichen Wunsch, die Welt zu sehen.

Im Alter von 44 Jahren unternahm sie ihre erste Reise, später folgte eine zweite. Sie legte insgesamt 240.000 km per Schiff und 32.000 km auf vier Kontinenten zurück und veröffentlichte 13 Bücher (u.a. „Eine Frauenfahrt um die Welt“). Sie reiste alleine und unabhängig und suchte den Kontakt zu Einheimischen, denen sie auf Augenhöhe begegnete. 

Text und Bild der prachtvollen Hommage an diese unkonventionelle Frau stammen von Linda Schwalbe. Sie erzählt die spannende Lebensgeschichte der Weltreisenden und in knappen Worten, um so mehr wirken ihre ausdrucksstarken, flächigen Illustrationen, die die Leidenschaft dieser Ausnahmeerscheinung perfekt widerspiegeln. Dieses Buch macht Lust darauf, vom vorgegeben Weg abzuweichen – und dafür ist es nie zu spät.

Linda Schwalbe: Ida und die Welt hinterm Kaiserzipf
64 Seiten, 18 Euro, ab 5 Jahren
NordSüd 2019

2 thoughts on “Ein Bilderbuch über die Weltreisende Ida Pfeiffer: Ida und die Welt hinterm Kaiserzipf

  1. Liebes buuu.ch-Team,

    ich empfehle eure Seite regelmäßig in meinen Seminaren und bei Freund*innen und hole mir selbst gern Inspirationen für neue Bücher. Vielen Dank für eure Arbeit!

    Beim Buch “Ida und die Welt hinterm Kaiserzipf” wird mein feministischer und v.a. rassismuskritischer Anspruch jedoch leider nicht erfüllt, weshalb ich sehr erstaunt bin über die durchweg positive Rezension.

    TW: Rassismus

    Ida Pfeiffer war eine kolonialrassistische Reisende, die zwar vielleicht als außergewöhnliches Beispiel innerhalb von weiß-patriarchalen Strukturen gelten kann, jedoch Rassismen auf ihren Reisen und innerhalb ihrer veröffentlichten Reiseberichten deutlich reproduzierte. Schwarze Personen werden von ihr in ihren Berichten explizit als schmutzig, ekelhaft, abschreckend, hässlich, elend und noch vieles mehr beschrieben. Lange Absätze schreibt sie in ihren Reiseberichten über die “Entsittlichung der Schwarzen”, die “keinen edleren Gefühlen fähig” seien, sie schreibt über Immoralität, vergleicht Menschen mit wilden Tieren usw.

    Ida Pfeiffers rassistische Ansichten mögen einem weißen, eurozentristischen Konsens der damaligen Zeit entsprechen. Sie aus intersektionalier, feministischer Sicht unkritisch als herausragende Person in einem Kinderbuch zu präsentieren, kann heute so jedoch nicht stehen gelassen werden.
    Ich freue mich, wenn das buuu.ch-Team bzw. der*die Verfasser*in sich näher mit der Biografie und den problematischen Sichtweisen von Ida Pfeiffr beschäftigt und diese Informationen in die Rezension einfließen lässt.

    Herzliche Grüße,
    J. Sasaki

    1. Hallo!

      Du hast Recht. Habe mich mit Ida Pfeiffer über das Bilderbuch hinaus nicht beschäftigt, eine Kurzrecherche hat vor allem etwas zu Othering ergeben. Danke für den Hinweis. Ich werde die Besprechung von der Website runternehmen.

      Liebe Grüße,
      Carla

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