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Geh weg, Herr Berg

In England wurde dieses Jahr eine Studie namens „Reflecting Realities“ veröffentlicht, in der es um die Sichtbarkeit und Repräsentation von Kindern, die marginalisierten Gruppen (Black, Asian, and minority ethnic, abgekürzt BAME, eine gängige Bezeichung für nicht-weiße im UK) angehören, geht. Was die  herausgefunden haben: 2017 wurden im UK 9115 Kinderbücher veröffentlicht. In sage und schreibe 4 % davon, das sind 391 Bücher, davon kommen BAME Kinder vor.  1 % der Bücher haben einen BAME Hauptcharakter. Für den deutschsprachigen Raum kenne ich keine Daten, aber ich kann mir denken, dass es hier nicht besser, sondern eher im Gegenteil, eher noch viel schlechter aussieht. Wenn Protagonist_innen einer marginalisierten Gruppe angehören, ist die Geschichte rundherum oft problematisierend, das „anders sein“ steht im Mittelpunkt . Sehr selten sind die Kinder einfach nur sie selbst.
© Illustrationen von Francesca Sanna aus „Geh weg, Herr Berg“, Atlantis Verlag, Zürich 2018
© Illustrationen von Francesca Sanna aus „Geh weg, Herr “, Verlag, Zürich 2018
Lily ist ein Schwarzes , doch die Tatsache spielt im Buch keine Rolle. Vielmehr geht es die ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem Kind und einem uralten Berg. „Geh weg, Herr Berg“ ist eine phantasievolle Geschichte über’s Dableiben und Weggehen. Francesca Sanna hat bereits mit dem beeindruckenden Werk „Die Flucht“ begeistert. Genau so ausdrucksstark, klar und ästhetisch ansprechend hat sie die Geschichte rund um die beiden ungleichen Protagonist_innen illustriert. Gewidmet ist das Buch ihren Schwestern, die ihr gezeigt haben, wie man Berge versetzt.

© Illustrationen von Francesca Sanna aus „Geh weg, Herr Berg“, Atlantis Verlag, Zürich 2018

Genau das würde Lily auch gern: Herrn Berg versetzen. Sie ist frustriert, dass er im Weg steht und sie nicht sehen kann, was sich hinter seinen Felswänden verbirgt. Der Berg ist genervt von Lilys Sturheit und denkt sich Tricks aus, um sie von sich fernzuhalten. Egal, ob er Regen, Wind oder Schnee macht, das Mädchen freut sich über die neuen Begebenheiten. Der Berg bleibt da, wo er ist. Eines Tages nimmt er sie und setzt sie auf seinen Gipfel. Lily lernt zu klettern und begibt sich auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise. Obwohl er Millionen von Jahre alt ist, verspürt der Berg zum ersten mal das Gefühl der Sehnsucht und freut sich sehr, als Lily eines Tages wiederkommt.

© Illustrationen von Francesca Sanna aus „Geh weg, Herr Berg“, Atlantis Verlag, Zürich 2018 © Illustrationen von Francesca Sanna aus „Geh weg, Herr Berg“, Atlantis Verlag, Zürich 2018

Francesca Sanna: Geh weg, Herr Berg (Atlantis 2018)

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