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Atalanta Läufer_in

Als Jugendliche wäre dieses Buch eins gewesen, das ich zwar wegen des eventuellen Sportinhalts lang ignoriert, jedenfalls nie gesucht, und dann, nach erfolgter Lektüre, nicht wieder hergegeben hätte. Der Inhalt großartig mit einer ganz spezielle Bedeutung für junge Menschen. Deren Protagonist_innen genau das verkörpern, was mein 12 oder 13jähriges Ich in Büchern stets gesucht hat: Eine unkonventionelle Persönlichkeit, eine starke Held_in, eine Geschichte ohne klassisches Ende. Eine Welt, 1000 und 1 Möglichkeit. Viel Mut, Ausprobieren ohne Wertung, moralischen Botschaften oder drohenden Zeigefingern.

Ein Kind läuft – weg. Entzieht sich Eltern, Behörden, Grenzen, unerträglichen Situationen. Gewinnt und verliert. Geschichten. Identitäten, Freund_innen, Begleiter_innen, Eltern.

Keine Ahnung, warum dieser Roman so lange auf meinem Rezensionsbücherstapel lag. Denn dieses Buch ist eins, das ich nicht mehr weglegen konnte und ratzfatz von Anfang bis zum Ende durchlas. Atemlos wie ein Kurzstreckensprint. Spannend, vielseitig, voller Überraschungen. Das Buch als Sportroman abzutun, verkennt die Dichte der Themen, die zur Sprache kommen. Als Wortkünstlerin spielt mit dem Text, lässt Lan und Ata – als Überlebensstrategie, persönliche Herausforderung oder Flucht. Oder alles gleichzeitig.

Die Leser_innen begegnen klassischen Wettkampfsituationen, wir wissen: Die schnellsten Läufer der Welt sind Männer. Punkt, kein Komma, das muss so sein. Der Läufer Lan hingegen wird als Nicht-Mann entdeckt, vom härtesten Konkurrenten oder größten Bewunderer Miles, je nachdem, was sich hinter Feindschaft und Begehren verbirgt. Wird dieser das Geheimnis enttarnen? Lan läuft wieder weg – auf der Flucht direkt vom Siegerstockerl ins Versteck, das es so noch gar nicht gibt. Vom Weglaufen hat Lan eine Ahnung, vom Tarnen und Täuschen auch. Das Zurücklassen gehört zum Leben von Lan, Ata Ata oder einmal auch Atalana, immer schon dazu.

Ein Roman für alle. Mit einer Geschichte vom Dableiben und Fortgehen, wie sie so viele unbegleitete minderjährige Geflüchtete kennen. Von der Suche nach dem eigenen Ich, nach Verbündeten im Kampf um Selbstbestimmung, Selbstdefinition und Geborgenheit. Von Wahleltern, Familien, die sich gegenseitig nichts Gutes tun, von Freund_innenschaft über Identitäten hinaus.

Lest! Dieses! Buch!
Es ist so schön. Und traurig.
Und macht Mut. In jeder Hinsicht.

Übrigens: Es gibt von Lilly Axster auch ein gleichnamiges Theaterstück, immer wieder auch speziell für Schulklassen und mit Publikumsgespräch, sowie Unterrichtsmaterial für Lehrer_innen.

Lilly Axster: Atalanta Läufer_in (Fischer), 8,30€

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