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Sigurd und die starken Frauen – Eine Wikingergeschichte

Das Buch beginnt mit einem kleinen Exkurs über eine wahre historischen Begebenheit. Vor ungefähr 150 Jahren wurde auf einer schwedischen Insel eine Grabstätte eines vermeintlichen großen Wikingerkriegers entdeckt. Vor kurzem stellte eine Forscherin, mit Hilfe einer DNA-Analyse der Knochen, fest, dass es dabei eigentlich um eine weibliche Person handelte. Der einzige Grund dafür, dass Forscher jahrelang die Kriegerin für einen Krieger hielten, und gar keine andere Möglichkeit in Betracht zogen, war schlicht die Tatsache, dass sie ihre Vorstellung von Geschlechterrollen auf die Wikinger-Kultur übertragen haben.

© Illustrationen von Volker Fredrich aus „Sigurd und die starken Frauen – Eine Wikingergeschichte“, Tulipan 2019

Die Autorin Jutta Nymphius greift die Figur der Wikingeranführerin auf und widmet sich in Sigurd und die starken Frauen der Frage, wer denn eigentlich bei den Kindern zuhause blieb und den Haushalt schmiss, während die Frauen unterwegs waren.

Die Story: Wikingerin Freya fährt ihren Kriegerinnen auf Beuteszug, während ihr Mann Sigurd mit seinen Geschlechtsgenossen zuhause bleibt. Sie kümmern sich Haushalt, Felder und Kinder. Auch unter den Kindern gibt es eine klare Rollenverteilung: Mädchen üben den Umgang mit dem Schwert, Buben müssen den Vätern helfen und dürfen maximal mit den Holzschafen spielen. Es brodelt jedoch: Nicht alle Männer sind mit der ihnen zugewiesenen Rolle zufrieden. Als die Zuhausegeblieben eines Tages einen Berserkerangriff (ein Berserkerinnenangriff wäre noch lustiger gewesen) abwehren, und unverhofft ihr kämpferisches Können unter Beweis stellen, wollen sie, allen voran Sigurd, etwas verändern: Sie möchten auch mit auf Fahrt.

„Wer soll sich um die Kinder kümmern?“ „Wer übernimmmt die Feldarbeit?“ „Wer versorgt die Tiere?“

Während die Frauen anfangs strikt dagegen sind und der Ansicht, dass jeder an seinen Platz gehört, ändern sie nach einer Diskussion ihre Meinung zu Gunsten einer neuen, durchmischten Aufteilung. Alle äußern ihre Wünsche und Vorstellungen und machen fortan, was sie am Besten können und gerne tun, egal ob Mann oder Frau. (Während Sigurd und Freya ab nun gemeinsam in die Meere stechen, passt übrigens Egil einstweilen auf deren Kinder auf – Tagesväter hab es also damals auch schon!)

Das Buch persifliert gängige Rollenbilder und zeigt auf, wie absurd es eigentlich ist, dass Menschen aufgrund ihres Geschlechts bestimmte Eigenschaften und vermeintliche Fähigkeiten zugewiesen werden. Eine superlustiges und originelles Geschichte, nicht nur für Wikingerfans, .

Jutta Nymphius, Volker Fredrich: Sigurd und die starken Frauen – Eine Wikingergeschichte
40 Seiten, 15 Euro, ab 4 Jahren
Tulipan 2019

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