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Goliath – Der Junge, der ein bisschen anders war

Es ist kein Geheimnis, dass Bilderbücher am Buchmarkt mit Jungs* jenseits von Stereotypen und Rollenklischees eher dünn gesäht sind. Was schade und traurig ist, denn neben tollen, diversen und starken Mädchen*, die vielfältige Abenteuer erleben, haben auch Burschen* empowernde Geschichten und Vorbilder verdient, die ihnen alternative Wege neben der üblichen Bagger-, Ritter- oder Fussball-Thematik aufzeigen. Denn Männer* jeden Alters, die sich mit ihren Emotionen oder körperlichen Unzulänglichkeiten auseinandersetzen, finden wir noch immer viel zu wenig in Illustrationen und Stories von 0 bis 100.

Am Goliath-Buch gefällt uns eigentlich alles – bis auf den Namen vielleicht, dessen biblischer Hintergrund irgendwie in der Luft hängt. Genauso gut hätte die Hauptfigur auch Lu oder Kas heißen können, es spielt halt einfach keine Rolle. Dieser Goliath jedenfalls ist , sehr und deswegen weiß er eigentlich schon immer, dass er anders ist. Und genauso wie andere Kinder möchte er nichts lieber, als so zu sein wie die anderen und dazugehören. Zu , zu stark, immer anders und so beschließt Goliath wegzugehen und macht sich auf die Suche nach Seinesgleichen. Doch nach Gesprächen mit Sonne und Mond, beide vergleichsweise riesig und somit irgendwie legitimiert mehr zur Problematik des Anders Seins beizutragen, fragt sich Goliath, warum es ihm so wichtig ist, wie oder klein er ist. Es folgen Selbstreflexion und Erkenntnis: Es ist egal. Niemand ist so wie Goliath, trotzdem gehört er dazu. Alle unterschiedlich, alle einzigartig.

Die Illustrationen sind vor allem mit Linolschnitt und Pflanzendruck gestaltet und in den Primärfarben und Schwarz gehalten, was vielleicht nicht jedes Kind anspricht, aber sich auch grafisch von anderen Bilderbüchern unterscheidet.

Optisch ist Goliath nicht zwingend als männliches* Kind zu sehen, somit eignet sich die Geschichte ganz gut, um Eigennamen samt Pronomen wegzulassen; jedenfalls lesen wir es meist so vor. Denn auch, wenn manchen Kindern eine allfällige Genderthematik am Arsch vorbeigeht, so gibt es doch viele Burschen*, die Bücher nur dann in die Hand nehmen, wenn ein Geschlechtsgenosse darin vorkommt. In diesem Sinne bitte noch viele Goliaths!

Ximo Abadia: Goliath – Der Junge, der ein bisschen anders war (), 14,90€

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