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Der Junge im Rock

Felix trägt gerne Röcke. Am liebsten mag er weite, die sich wie ein Teller drehen, wenn er mit Schmetterlingen über die Wiese tanzt. Seine Beine bekommen so viel Luft und er kann damit viel besser springen und klettern. Es ist so schön zu lesen, wie seine Familie bei seiner Kleiderwahl maximal unterstützend ist: Mit seiner Schwester tauscht er Glitzerkleider gegen schwarze Jeans, seine Mutter ermutigt ihn, im Laden die Röcke anzuprobieren die ihm gefallen und als Felix immer mehr mit negativen Reaktionen von außerhalb konfrontiert wird, solidarisiert sich sein Vater mit ihm und kauft sich selbst einen Rock und läuft gemeinsam mit ihm durch die Straßen. „Es muss doch egal sein, was ich anziehe, wenn es mir gefällt“, sagt Felix. Die Hater verstummen.

Ich vermute dass die Geschichte sehr stark eine wirklich passierte angelehnt ist, die 2014 in den Medien präsent war. Nach dem Umzug von Berlin in eine Kleinstadt wird ein rocktragender Junge im Kindergarten ausgegrenzt, die Eltern besorgt angesprochen. „Es ist nicht meine Aufgabe, meinen Sohn von seiner Vorliebe für Röcke abzuhalten. Es ist meine Aufgabe, ihm dabei zu helfen, sie selbstbewusst zu tragen”, meinte Nils Pickert damals, legte sich auch einen Rock zu und spazierte damit durch die Stadt. Er half seinem Sohn, das Selbstvertrauen, das anzuziehen, was er mag, wieder zu finden. Egal was die anderen sagen und egal, wie die starren gesellschaftlichen Konventionen sind: Es gibt keine Buben- und keine Mädchenkleidung, es gibt nur Kleidung, die Kinder gerne anziehen.

Ein bestärkendes und unaufgeregtes Buch, eine schöne Familiengeschichte, ermutigend für Rockträger und augenöffnend und horizonterweiternd auch für Erwachsene, die Nachhilfe in Akzeptanz brauchen.

Kerstin Brichzin, Igor Kuprin: Der Junge im Rock (Minedition)

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