Von einer Ritterin, die nicht mehr mag

Von einer Ritterin, die nicht mehr mag

Märchen sind toll, vor allem, wenn man sie vorm Schlafengehen im Bett erzählt bekommt und darin auch noch die Hauptrolle spielt. Noch besser wird es, wenn man selber bestimmen kann, wie die Geschichte los-, weiter- und ausgeht und so wünscht sich das Kind vom Papa statt einer Prinzessinnen eine Ritterinnen-Geschichte. Doch Ritter_innen brauchen Soldat_innen und im besten Fall einen Kampf, sonst ist ihr Dasein irgendwie nutzlos, so zumindest die hegemoniale Geschichtsauffassung des Ritter-Themas. Das in der Regel männlich ist und militant und ob es überhaupt Ritterinnen gab, ist vermutlich ein anderes Kapitel. Nun, in unserem Buch wird mit der Armee in den Kampf gezogen und marschiert, viele Tage lang. Das ist dann der kleinen Ritterin auch selber zu fad und sie mag nicht mehr. Plötzlich übernehmen die Soldaten die Macht und sperren die Ritterin in ein Verlies in den Wald. Da die zwei alternativ vorgeschlagenen Befreier der Ritterin nicht zusagen, muss am Ende Papa herhalten, der seine Tochter rettet.

“Heute bin ich Ritterin” ist an sich ein liebes Buch, vor allem die sehr präsente Vater-Tochter-Beziehung daran mag ich, doch am Ende endet das Ritter-Spektakel so wie die allermeisten und das find ich dann ein bisl fad, altbacken und wenig unkonventionell.

Jean-Luc Englebert: “Heute bin ich Ritterin”, (Picus)



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