Es war einmal … eine trans Prinzessin

Es war einmal … eine trans Prinzessin

„Es war einmal ein Prinz, der wollte lieber eine Prinzessin sein.“ Hannibals Herzenswunsch ist blubbernd und brodelnd, dringlich und drängend, heimlich und gleichzeitig unheimlich.

Wie dieser Wunsch erfüllt werden kann, weiß Hannibal nicht. Ein Prinz, der lieber eine Prinzessin sein will, gibt es im Königreich bisher noch nicht. Die Eltern können nicht befragt werden, sie sind viel zu beschäftigt. Zum Glück gibt es die sieben älteren Schwestern (mit extravaganten, blumigen Namen von A bis G). Ihre Ratschläge bringen Hannibal jedoch nicht weit. Die scheinen wohl zu viele Märchen gelesen zu haben… Fünf der Prinzessinnen raten Hannibal Dinge wie zum Beispiel Zwergen den Haushalt zu machen, auf einer Erbse zu schlafen oder einen Frosch zu küssen. Nachdem nichts davon funktioniert, beginnt Hannibal zu zweifeln.

Eine hilfreichere Eingebung haben letztendlich die beiden Zwillingsschwestern, die zum Schluss befragt werden: Sie sind der Meinung, dass in jedem Prinzen ein Fünkchen Prinzessin stecke, das man zum Lodern bringen könne, wann immer man es wolle.

Das bringt Hannibal selbst auf die zündende Idee. Von jeder Schwester leiht Hannibal sich prinzessinnenhafte Accessoires .

„Als er diese sieben Sachen anlegte, fühlte er sich mit jedem Stück ein bisschen weniger wie ein Prinz und ein bisschen mehr wie eine Prinzessin.

Am Ende der Geschichte steht, wie es sich für ein Prinzessinnenmärchen gehört, ein rauschender Ball. Dort fragen sich alle Gäste vor allem: Wer ist diese geheimnisvolle Prinzessin, die da rumtanzt und wo steckt eigentlich Prinz Hannibal?

Das Buch wird als „Verkleidungsgeschichte“ beschrieben und ist allen „Helden in Blümchenstrumpfhosen“ gewidmet. Ich habe eher als modernes und erfrischendes Märchen gelesen, in dem eine Transidentität ganz unaufgeregt im Mittelpunkt steht.

Besonders toll sind die teils grafischen, teils collagenartigen Illustrationen in gedeckten Farben. Witziges Detail: Der König, der keine Zeit für Hannibal hat, ist gerade dabei sich die Zehennägel zu lackieren, vielleicht eine Anspielung darauf, dass ein bisschen Querness in allen steckt.

Dass viel Sprachkunst in dem Text steckt, war für mich erkennbar und ich fand’s stimmig, aber für Kinder ist das Buch teilweise sprachlich zu komplex. Welches Kind weiß außerdem, was Schalmeien, Kriolinen oder Quadrillen sind? Beim Vorlesen geht die eigentlich ziemlich witzige Geschichte also nicht so locker von der Hand.

Dennoch ist „Prinzessin Hannibal“ besonderes Buch mit einer wunderschönen, empowernden Message: Ein Herzenswunsch kann keine Frage von Zwergen, Erbsen, Fröschen, Zöpfen oder Pantoffeln sein. Wenn man will, kann man einfach selbst genau das sein, was man tief im Herzen eigentlich ist.

Melanie Laibl, Michael Roher:  Prinzessin Hannibal (Luftschacht)



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