Die unglaublich verrückten Abenteuer der Schnarch-Schwestern

Die unglaublich verrückten Abenteuer der Schnarch-Schwestern

Bemerkenswert an dem ist der fast ausschliesslich weibliche Cast. Da wären zum einen die zwei Schnarch-Schwestern Angina und Rauke und zum anderen die Besatzung der Fröhlichen Frieda, einem Piratinnenschiff. Abgesehen von den Schwestern (💤) ist das Buch mit Holzbein Heidi, Fetterike, Zielwasser Zora und den anderen voller starker und interessanter weiblicher Protagonistinnen. Es würde nicht einmal den umgekehrten Bechdel-Test bestehen.

Die ist ziemlich abgedreht: Rauke und Angina sind langweiligsten Mädchen, die man sich vorstellen kann. Sie wohnen in Ödlingen und stopfen den ganzen Tag Socken. Ein Leben abgesehen davon haben sie nicht, das wäre ihnen zu aufregend. Auch Eltern haben sie keine. Die sind eines Tages von einer kurzen Besorgung nicht mehr zurückgekommen. So weit, so skurril. Eines Tages werden die beiden Schwestern kurzerhand von einer Piratin in einen Jutesack gesteckt und landen auf der Fröhlichen Frida. Dort machen die Schwestern gleich mal das, was sie immer machen, wenn etwas extrem aufregendes passiert: Sie werfen sich auf den Boden und beginnen zu schnarchen. Doch sie leben sich rasch in den Alltag am Schiff ein. Die beiden lernen der Reihe nach alle kennen, schrubben das Deck, arbeiten als Küchengehilfinnen, werden Zeuginnen eines Angriffes von Piraten, den die Frida-Crew souverän abwehrt, und beschließen, sich auf die Suche nach ihren Eltern zu machen.

Die Story ist nicht nur schräg sondern strotzt auch nur vor trockenem Humor (und stellenweise auch cis-sexistisichem: das Schiff der Piraten, die von der Frieda-Crew ordentlich aufs Maul kriegen, heisst ausgerechnet Testostero, aber gut, die Zielgruppe kann damit noch nichts anfangen). Probleme habe ich mit den Handlungsstrang, der eigentlich nicht so recht in die Geschichte passt, aber doch sehr viel Platz einnimmt. Es geht um das Mobbing, dem die dicke Schiffsköchin „Fetterike“ (allein der Name schon…) ausgesetzt ist. Auch wenn die Moral von der Geschichte ist, dass es nicht ok ist, andere wegen ihrem Äußern fertig zu machen und die Fatshamerinnen zur Rechenschaft gezogen werden, wollte ich die betreffenden Stellen gar nicht vorlesen, weil sie meiner Meinung nach Dickenfeindlichkeit reproduzieren anstatt Bewusstsein dafür zu schaffen.

Fazit: Eine wirklich außergewöhnliche und alles andere als schnarchige Abenteuergeschichte. Mit einer großen Schwachstelle, deswegen zum eher nicht und zum Vorlesen bedingt geeignet.

Kara LaReau / Jen Hill:  Die unglaublich verrückten Abenteuer der Schnarch-Schwestern (Knesebeck)



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