Bärenstarke Anna: Leider langweilige Pseudodidaktik

annaVom Duden Verlag bekam ich als Rezensionsexemplar das neu erschienene Buch „Bärenstarke Anna“ aus deren Reihe „Lesedetektive“ zugeschickt, mit der sich der Verlag unter der Überschrift „Erste Schritte zur Leseförderung“ eigenen Angaben nach an die Altersgruppe 4-6 Jahre richten will. Die Konzeptidee ist so ähnlich wie bei den „Erst ich ein Stück, dann du“-Büchern (hier ein rezensiertes Beispiel), die aber viel komplexer sind. Zu den Lesedetektiven heißt es auf dem Buchdeckel: „Der geübte Vorleser liest längere Abschnitte, der Leseanfänger einfache lautgetreue Wörter.“

Ich bin von dem Buch nicht begeistert. Die Geschichte als solche, die aufgrund des Buchansatzes „viele Bilder, wenig und kurzer Text“ im Wort- und Buchstabenumfang beschränkt ist, kann nur sehr mäßig überzeugen: Das Mädchen Anna ist offenbar plötzlich unerklärt „bärenstark“, kann den Schrank hochheben und Türen umfallen lassen, freut sich darüber, besteht so gegen den starken Raufbold der Schule und rettet am Ende einen im Zoo in den Wassergraben gestürzten Elefanten. Dies alles in extrem vereinfachter, sehr groß gedruckter Fibelschrift: „Die Tür fällt aus dem Rahmen. UPS! Papa wundert sich“, oder zum Schuljungen: „(…)Sie hebt Timo einfach hoch auf eine große TONNE. Nun sitzt er in der SONNE.“

Angeblich berücksichtigt das Buch „den Entwicklungsstand der 4- bis 6-Jährigen“ (Buchdeckelangabe). Das mag hinsichtlich der Lesekenntnisse durchaus sein, aber inhaltlich ist die Geschichte so unglaublich dünn, dass ein einigermaßen aufmerksames Kind schon beim ersten (Vor-)Lesen das Folgewort kombinieren können und das Buch entsprechend schnell auswendig kennen dürfte, sodass das didaktische Konzept “Leseförderung” damit gestört wird. Die eingebauten Reime könnten vielleicht noch kurzfristigen Spaß bringen, darüber hinaus bieten Sprache und Handlung aber leider nichts längerfristig Interessantes, das zum Wiederlesen einladen könnte. Die 3 Minirätsel im Buch, die der Leseförderungsreihe den Titel „Lesedetektive“ geben, sind zudem so banal, dass sich Vorschulkinder davon veralbert vorkommen dürften.

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Den Bechdel-Test besteht das Buch, denn Anna unterhält sich mit ihrer Oma und mit einer Nachbarin. Wieder einmal haben wir hier aber ein Buch für „hautfarbenweiße“ Kinder in ihrer eigenen Welt, nicht mal im Zoo (dem Ort mit den meisten Menschen im Buch) finden sich Abbildungen von andershautfarbigen Menschen, die dort auch zu Besuch sind oder arbeiten. Tja. Schade.

Luise Holthausen (Autorin), Sandra Reckers (Illustratorin: Bärenstarke Anna. Frankfurt am Main: 2013, Fischer DUDEN Kinderbuch.



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