„Wie entsteht ein Baby?“: Aufklärung für Alle und ohne Geschlechterzuschreibungen

„Wie entsteht ein Baby?“: Aufklärung für Alle und ohne Geschlechterzuschreibungen

„Kannst du mir ein Aufklärungsbuch empfehlen?“ Diese Frage bekomme ich durchaus öfter gestellt. Das  Werk von Cory Silberberg ist nach wie vor mein Buchtipp Nummer 1. Bisher bin ich auf der Suche nach Aufklärungsbüchern, in denen anatomisch korrekte Bezeichnungen von Genitalien vorkommen, kläglich gescheitert. Auch wenn in „Wie entsteht ein Baby?“ auf Geschlechterzuschreibungen verzichtet wird, stellt Silberberg fest, dass manche Babies aus einem Teil des Körpers kommen, den die meisten Menschen Scheide nennen. Das entspricht immerhin auch den Tatsachen. Das Wort uterus wurde mit Gebärmutter übersetzt, meiner Meinung hätte man da doch beim lateinischen Original bleiben können. Dennoch ist dieses Buch wirklich empfehlenswert.

Schönes Detail am Rande. Eine (vermutliche) Hausgeburt und eine Sectio, zwei so vermeintlich konträre Geburtsmodi, werden vollkommen wertfrei gegenübergestellt.

Diese Rezension erschien im Progress Magazin.

Endlich! Ein nicht-heteronormatives Aufklärungsbuch für Menschen ab drei Jahren, aus dem auch Erwachsene noch einiges lernen können. „Silverbergs nuancierte Darlegung von Reproduktion und Gestaltung kommt einer Offenbarung gleich“, sagt, laut Buchrücken, die sechsjährige Sophie über „Wie entsteht ein Baby“. Und Sophie hat so recht. Das Buch beschreibt, was es braucht, damit ein Baby entsteht: eine Eizelle und eine Samenzelle, die beide sehr viele Geschichten über den Körper, aus dem sie kommen, in sich tragen. Sie tanzen miteinander und tauschen sich aus, sodass sie am Ende ein eigenes Ding werden. Dann brauchen sie noch eine Gebärmutter, in der das Baby wachsen kann. Dabei kommt Sex Educator Cory Silverberg angenehmerweise ohne Geschlechterzuschreibungen aus, unterstützt wird er dabei von Fiona Smiths knallig bunten Illustrationen: „Nicht jeder Mensch hat eine Gebärmutter. Manche ja, manche nein.“ Es kann so einfach sein. Durch diese Reduzierung aufs Wesentliche wird Platz für Details gelassen, die jede Familie individuell für sich besprechen kann. Alle, denen dabei die Worte fehlen oder die sich Inspiration von Expert*innen holen wollen, können auf what-makes-a-baby.com einen Readers Guide (auf Englisch) herunterladen und sich von Silverberg Tipps für eine diverse Auseinandersetzung mit Reproduktion und Sexualität holen. Themen wie Sex/Gender, trans*/cis, Intersexualität, Behinderung und Race haben hier ebenso viel Platz wie sämtliche Reproduktionsmöglichkeiten: Samenspende, In-vitro-Fertilisation, Adoption, Leihmutterschaft und Geschlechtsverkehr.

Am Ende steht kein Abbild einer glücklichen heteronormativen Kleinfamilie, sondern die Frage: „Wer hat dabei geholfen, dass die Eizelle und die Samenzelle zusammenkamen, aus denen du entstanden bist? Wer war glücklich, dass ausgerechnet DU dabei entstanden bist?“

Cory Silverberg, Fiona Smyth: „Wie entsteht ein Baby? Ein Buch für jede Art von Familie und jede Art von Kind“ (Mabuse-Verlag)



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